Der Solothurner Literaturpreis 2007 geht an Peter Weber.
Der 1968 in Wattwil geborene, heute in Zürich lebende Autor hat in den letzten 15 Jahren mit geduldiger Konsequenz seine poetische Handschrift entwickelt und mit dem jüngsten Buch "Die melodielosen Jahre" zu neuer Vollendung gebracht. Der Preis ist mit 20 000 Franken dotiert.

Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Hans Ulrich Probst (Vorsitz), Christine Tresch und Beat Mazenauer, würdigt mit ihrem Preis die hohe sprachliche Musikalität, Wahrnehmungskraft und Phantasie, mit der Peter Weber die Welt im Grossen und im Kleinen einfängt. In seinen bisher vier Büchern "Der Wettermacher" (1993), "Silber und Salbader" (1999), "Bahnhofsprosa" (2002) und soeben"Die melodielosen Jahre" verbindet er mythische Heimatbilder und eine überwache, alle Sinne umfassende Wahrnehmung zu einer poetisch-klanglichen Gestaltung, die magischen Zauber verströmt.

Peter Weber ist 1968 im toggenburgischen Wattwil geboren und aufgewachsen. Nach der Matura zog es ihn 1987 nach Zürich, wo er sich in der Freejazz-Szene umtat und in der "Werkstatt für improvisierte Musik" spielte. Gemeinsam mit literarischen Freunden gründete er 1992 die Autoren-Gruppe "Netz". Im Jahr darauf betrat er die literarische Bühne mit dem Roman "Der Wettermacher", einem virtuosen Geschichtenreigen, in dessen Mitte die verschrobene Figur des August Abraham Abderhalden steht. Leidenschaftlich und auf unnachahmliche Art erneuerte Weber mit seinem Erstling das Genre des Heimatromans und förderte aus den Klüften und Schratten des Toggenburgs ein Amalgam aus Fabeln und Flunkereien zutage. In seinem zweiten Buch "Silber und Salbader" (1999) führte Weber seine Experimente am Klangkörper der Sprache weiter. Da funkeln und gleissen die rhetorischen Blüten, einem Sternenteppich gleich. „Das Schönreden ist eine wichtige Remedur. Es produziert Atem."

Schreiben ist für Weber seit je mit Reisen verbunden. In der "Bahnhofsprosa" (2002) verdichtet er die beiden Motive im Symbol einer grossen Bahnhofsorgel, deren Basstöne die grosse Bahnhofshalle in den Grundfesten erschüttern. Bahnhöfe sind Welten für sich, Durchsagen und Gerüchte ihre gängige Währung.

All diese Erzähl- und Klangbewegungen finden im jüngsten, vierten Buch, dem Roman "Die melodielosen Jahre", zu reifer Meisterschaft. Peter Weber beschreibt darin die Epoche von 1989 bis heute, und hält der in ihr drohenden Melodielosigkeit seine eigenen Sprachklänge entgegen. In mal spielerisch-verspielter, mal kritisch-nachdenklicher Weise konfrontiert er sich auch mit der eigenen Biographie in dieser "Schwellenzeit zwischen analog und digital". "Die melodielosen Jahre" überzeugen durch erweiterte Horizonte und vielfältige Verstrebungen. Die darin ablesbare Entwicklung macht neugierig auf das weitere Schaffen des Preisträgers.

Die öffentliche Preisverleihung an Peter Weber findet am Montag, 25. Juni um 19.30 Uhr in Solothurn statt.

10. Mai 2007

Hans Ulrich Probst /Christine Tresch /Beat Mazenauer

Bücher von Peter Weber

  • Der Wettermacher. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1993. (Taschenbuchausgabe 1996)

  • Silber und Salbader. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1999. (Taschenbuchausgabe 2002)

  • Bahnhofsprosa. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2002.

  • Die melodielosen Jahre. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2007.
Peter Weber tritt auch als Mitglied des musikalisch-poetischen Quartetts "Singende Eisen" (mit Michel Mettler, Anton Bruhin, Bodo Hell) auf:
  • Singende Eisen, Spangen und Gleise. CD-Audio mit Booklet. Urs Engeler Editor, Basel / Weil am Rhein 2007
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