1996 wird der Solothurner Literaturpreis dem Schweizer Klaus Merz verliehen. Die Jury zeichnet ihn aus für sein dichterisches Werk, in dem das Unsichtbare sichtbar wird, indem der Dichter nochmals (wieder) und gegen (wider) die Konvention schaut und wahrnimmt.

Ein subtiles, irritierendes Geflecht von Anspielungen, Andeutungen und Aussparungen lässt durchblicken, dass ihn die Wirklichkeit ebenso interessiert wie die Abirrung davon. Merz' Gedichte und (Zwischen-)Geschichten spielen mit den verschiedensten Gefühlslagen: Sehnsucht, Bitterkeit, Wehmut, Angst, Glückshoffnung, Gelassenheit und verhelfen ihnen zu einer schlichten, nie geschwätzigen Sprache, der es gänzlich an literarischem Hochmut fehlt. Sie geben tiefere Einsicht in eine Befindlichkeit im Geviert von gesellschaftlicher Depression, Traumlosigkeit, Phantasieflügen und lächelnder Zuversicht.

Ihre wortspielerischen Konfrontationen und überraschenden Widersprüche bergen Grundsätzliches: Widerstand - gegen das herrschende Bewusstsein. Nicht zuletzt das Schicksal seines Bruders hat ihn dagegen immunisiert. Klaus Merz verkörpert in dem Sinn weder einen Ein- noch einen Ausgeborenen. Er blickt vielmehr mit ganz eigener Perspektive hart über die Kante zwischen Innen und Aussen, Surrealität und Wirklichkeit, Ich und Welt. "Wie rasch ist man doch als Sensibler lädiert", heisst es in dem Bruder-"Report": "Die Risiken des Berufes halt." Dass er sie eingeht, dafür gebührt Klaus Merz unsere Wertschätzung.












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